Gesundheit ist keine Ware! Soziale Gerechtigkeit statt einseitiger Belastung der Beschäftigten.
Für uns ist der 1. Mai unser zentraler Feiertag der abhängig Beschäftigten. Er steht für Solidarität, Kampf für faire Arbeitsbedingungen und soziale Gerechtigkeit. Als "Kinder der Arbeiterbewegung" verbinden wir diesen Tag mit der Forderung nach fairen Löhnen, guter Arbeit (inklusive Sorgearbeit) und der Demonstration für eine solidarische Gesellschaft.
In diesem Jahr fällt er aber in eine Zeit der Diskussionen um die Zukunft zentraler gesellschaftlicher Themen wie Gesundheits- und Rentenpolitik. Ebenso sind Umwelt- und Klimapolitik zu einem beliebigen Randthema verkommen.
Die aktuell von der Politik vorgelegten Lösungsvorschläge erfüllen uns mit großer Sorge.
Als Verband, der aus der Arbeiter- und Kulturbewegung hervorgegangen ist, lehnen wir die vorliegenden Pläne in ihrer jetzigen Form entschieden ab. Sie tragen die Handschrift einer sozialen Schieflage, die einseitig zu Lasten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geht.
Im Einzelnen nehmen wir wie folgt Stellung.
1. Gesundheitswesen: Aktuelle Pläne bedeuten nur die Umverteilung von Kosten und eine stärkere Belastung der Versicherten
Die aktuellen Reformpläne im Gesundheitswesen (Stand März/April 2026), insbesondere durch die Finanzkommission Gesundheit, deuten auf erhebliche Einschnitte hin, die sozialpolitisch als Umverteilung von Kosten und eine stärkere Belastung der Versicherten eingeordnet werden können. Ziel ist es, die Rekordbeiträge in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu stabilisieren und die Finanzierung langfristig zu sichern.
Unsere Kritik: Die geplanten Maßnahmen (Höhere Zuzahlungen, Änderungen in der Familienversicherung, Krankenhausschließungen, Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze) werden vor allem auf den Rücken der Patientinnen und Patienten ausgetragen. Während die Profite der privaten Versicherungswirtschaft unangetastet bleiben, schrumpfen die Reallöhne der arbeitenden Bevölkerung. Das ist eine Abkehr vom solidarischen Prinzip der Parität.
Unsere Forderungen: Wir fordern die Einführung einer Bürgerversicherung, in die alle Einkommensarten – auch Kapitalerträge – einbezogen werden. Ebenso müssen alle Versicherten (auch Beamte und Abgeordnete) integriert werden. Gesundheit darf nicht vom Geldbeutel abhängen. Die teilweise absurde Preisgestaltung für innovative Medikamente muss regulatorisch begrenzt werden.
2. Renten: Zukunftssicher gestalten und Generationengerechtigkeit herstellen
Eine zukunftssichere Rentenpolitik im Jahr 2026 steht vor der gewaltigen Aufgabe, den demografischen Wandel – insbesondere den Renteneintritt der "Babyboomer" – finanziell abzufedern, ohne die jüngeren Generationen zu überlasten. Die aktuelle Debatte unter der Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz (Stand April 2026) konzentriert sich auf eine Neugewichtung des Drei-Säulen-Modells.
Unsere Kritik: Die Diskussion wird immer verengt auf einzelne Punkte wie Erhöhung der Lebensarbeitszeit und Verringerung des künftigen Rentenniveaus zugunsten der Beitragsstabilität geführt.
Unsere Forderungen: Eine zukunftssichere Rentenpolitik muss vor allem die Generationengerechtigkeit wahren, indem sie das Rentenniveau bei 48 % stabilisiert, ohne die Beiträge für Jüngere explodieren zu lassen. Zentral ist hierfür der Ausbau des Generationenkapitals, um das Umlagesystem durch Finanzmarkterträge zu entlasten. Zudem muss die Lebensarbeitszeit flexibilisiert werden, etwa durch steuerfreie Zuverdienstmöglichkeiten wie die Aktivrente, statt das Eintrittsalter starr zu erhöhen. Die private Vorsorge erfordert attraktivere Modelle wie das neue Altersvorsorgedepot, das die renditeschwache Riester-Rente ablöst. Flankierend müssen die betriebliche Altersvorsorge gestärkt und gezielte Maßnahmen gegen Altersarmut bei Geringverdienern ergriffen werden. Nur durch diesen Mix aus Stabilität, Kapitaldeckung und Arbeitsanreizen bleibt das System langfristig finanzierbar. Die einseitige Ausweitung der privaten Vorsorge wird die soziale Spaltung der Gesellschaft nur befeuern.
3. Prävention statt Profit: Gesundheit und Umwelt
Als Umwelt- und Freizeitverband wissen wir: Eine intakte Natur ist die beste Krankheitsvorsorge.
Unsere Kritik: Die Reform vernachlässigt den Bereich der primären Prävention. Die Arbeitsbelastung steigt, die Regenerationsräume schwinden. Wer unter Stress und Umweltbelastungen erkrankt, darf nicht durch höhere Zuzahlungen bestraft werden.
Unsere Vision: Wir fordern massive Investitionen in eine gesundheitsfördernde Arbeitswelt und den Erhalt öffentlicher Erholungsräume als Teil einer ganzheitlichen Gesundheitspolitik.
Fazit: Ein Aufruf zur Solidarität
Die Naturfreunde Bayern rufen zusammen mit Gewerkschaften und Sozialverbänden die Zivilgesellschaft auf, gemeinsam Widerstand gegen diese unsozialen Reformen zu leisten. Wir brauchen kein System, das einseitig die Schwachen belastet, sondern eine mutige Politik, die das Solidarprinzip erneuert und zukunftsgerichtet weiterentwickelt. Für den kommenden Tag der Arbeit am 1. Mai ist es unser innerstes Anliegen, diese Interessen in Kundgebungen, Biergärten und Grillabende – in die Mitte der Gesellschaft zu tragen!
Wir sind am 1. Mai bei der zentralen Kundgebung in Nürnberg mit unserer Kletterwand am Kornmarkt dabei, um auch den Kindern eine Möglichkeit zu geben, den Tag mitzufeiern.
Berg frei!
Der Landesvorstand der NaturFreunde Bayern e.V.
