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Welche Menschen passen zu unserer Ortsgruppe?
Viele Ortsgruppen merken irgendwann, dass neue Mitglieder nicht einfach „von allein“ dazukommen. Gleichzeitig entsteht schnell das Gefühl, man müsste jetzt plötzlich junge Menschen ansprechen, Social Media machen oder komplett neue Angebote entwickeln.
Dabei hilft oft erstmal eine viel einfachere Frage: Wer passt eigentlich schon heute gut zu unserer Ortsgruppe?
Denn nicht jede Ortsgruppe muss alles anbieten oder jede Altersgruppe erreichen. Manche Gruppen leben von regelmäßigen Wanderungen, andere von Gemeinschaft, politischen Themen oder Familienangeboten. Oft gibt es bereits Dinge, die gut funktionieren, sie werden nur nicht bewusst wahrgenommen.
Darum lohnt es sich, zuerst auf die eigene Ortsgruppe zu schauen:
Welche Menschen kommen gerne zu unseren Veranstaltungen? Wer bleibt länger dabei? Und bei welchen Angeboten entstehen Gespräche, Kontakte oder neue Ideen?
Dabei geht es nicht darum, Menschen auszuschließen oder sich künstlich auf eine einzige Zielgruppe festzulegen. Es geht eher darum, die eigenen Stärken besser zu verstehen. Denn Mitgliedergewinnung funktioniert meistens dort gut, wo Menschen merken:
„Hier passe ich hin.“
Welche Zielgruppen sind realistisch?
Wenn Ortsgruppen über Mitgliedergewinnung sprechen, taucht oft schnell dieselbe Vorstellung auf: „Wir müssten jetzt eigentlich junge Leute erreichen.“ Manchmal kommen dann noch weitere Ideen dazu: mehr Familien, mehr Social Media, neue Veranstaltungen, vielleicht sogar komplett neue Angebote. Das Problem dabei ist nicht, dass diese Ideen grundsätzlich schlecht wären. Das Problem ist eher, dass dabei schnell das Gefühl entsteht, man müsste sich komplett neu erfinden. Und genau das führt oft dazu, dass am Ende gar nichts passiert.
Denn viele Ortsgruppen arbeiten bereits am Limit. Veranstaltungen müssen organisiert werden, Häuser gepflegt, Treffen vorbereitet oder Arbeitsdienste gestemmt werden. Wenn dann noch das Gefühl dazukommt, zusätzlich „moderne Mitgliedergewinnung“ machen zu müssen, entsteht schnell Überforderung. Darum hilft es meistens nicht, möglichst viele Zielgruppen gleichzeitig erreichen zu wollen. Hilfreicher ist die Frage: Welche Menschen passen realistisch zu unserer Ortsgruppe mit den Angeboten, Möglichkeiten und Personen, die wir heute haben? Denn nicht jede Ortsgruppe muss alles anbieten.
Eine kleine Ortsgruppe ohne viele Ehrenamtliche muss keine aufwendigen Jugendprogramme entwickeln, wenn dafür Zeit und Menschen fehlen. Gleichzeitig kann genau dieselbe Ortsgruppe trotzdem neue Mitglieder gewinnen, z.B. durch regelmäßige Wanderungen, persönliche Kontakte oder offene Veranstaltungen im Ort. Oft funktionieren die Dinge am besten, die bereits eine gute Grundlage haben. Wenn zum Beispiel:
- Menschen gerne zu euren Naturangeboten kommen,
- Gespräche nach Veranstaltungen entstehen,
- oder Mitglieder regelmäßig Bekannte mitbringen,
dann steckt dort wahrscheinlich mehr Potenzial als in einer komplett neuen Idee, die viel Kraft kostet und vielleicht gar nicht zu euch passt. Realistische Zielgruppen entstehen deshalb selten am Schreibtisch. Sie entstehen aus dem, was in der Ortsgruppe bereits funktioniert. Dabei kann auch hilfreich sein zu schauen, wo kommen Menschen heute überhaupt noch mit Vereinen in Kontakt. Bei vielen ist das nicht über große Werbung oder lange Internetseiten. Sondern eher durch persönliche Einladungen, sichtbare Veranstaltungen, Empfehlungen oder weil man irgendwo unkompliziert mitmachen konnte.
Gerade kleinere Ortsgruppen unterschätzen oft, wie stark solche direkten Kontakte wirken können. Denn Menschen treten selten einem Verein bei, nur weil sie einen Flyer gelesen haben. Viel häufiger entsteht Interesse durch eine gute Erfahrung oder das Gefühl: „Dort kann ich einfach mal vorbeischauen.“
Deshalb lohnt es sich meistens mehr, bestehende Angebote etwas offener und sichtbarer zu machen, statt sofort neue Strukturen aufzubauen. Das bedeutet nicht, dass Veränderung unwichtig ist. Aber Veränderung muss nicht heißen, alles neu zu machen. Oft reicht es schon neue Menschen bewusster einzuladen, Veranstaltungen einfacher zugänglich zu machen, oder sichtbarer zu zeigen, was die Ortsgruppe eigentlich ausmacht.
Wie sprecht ihr neue Menschen konkret an?
Viele Ortsgruppen freuen sich über neue Gesichter bei Veranstaltungen und sind gleichzeitig unsicher, wie sie auf neue Menschen zugehen sollen. Dabei braucht es oft weniger, als man denkt. Neue Menschen merken meistens sehr schnell, ob sie wirklich willkommen sind. Gerade in Gruppen, in denen sich viele schon lange kennen, wirken Gespräche, Abläufe oder kleine Gewohnheiten schnell selbstverständlich. Für Außenstehende kann das aber erstmal unübersichtlich sein.
Oft helfen deshalb schon einfache Dinge: eine kurze Begrüßung, ein erklärter Ablauf oder die Frage nach der Veranstaltung, wie es gefallen hat. Das klingt klein, sorgt aber häufig dafür, dass Menschen wiederkommen. Auch die Art, wie eingeladen wird, macht einen Unterschied. Viele möchten erstmal schauen, wie die Gruppe funktioniert, bevor sie sich stärker einbringen. Offene Einladungen nehmen dabei Druck raus. „Komm einfach mal mit.“ oder „Schau es dir erstmal in Ruhe an.“
Hilfreich sind außerdem Angebote, bei denen man unkompliziert teilnehmen kann. Offene Wanderungen, kleine Mitmachaktionen oder Treffen ohne große Verpflichtungen machen den Einstieg oft leichter als Veranstaltungen, bei denen neue Menschen sofort das Gefühl haben, dazugehören oder mithelfen zu müssen.
Wichtig ist auch, neue Interessierte nicht alleine zu lassen. Oft reicht schon eine Person, die zwischendurch ansprechbar ist, Gespräche beginnt oder andere Mitglieder kurz vorstellt. Viele Menschen entscheiden nicht nach einer Veranstaltung, sondern danach, wie sie sich dort gefühlt haben.
Und nicht zuletzt entstehen neue Kontakte häufig über persönliche Einladungen. Deshalb kann es helfen, Mitglieder bewusst zu ermutigen, Freundinnen, Nachbarinnen oder Bekannte einfach mal mitzubringen.
Nicht jedes Gespräch führt sofort zu einem neuen Mitglied. Aber eine offene Atmosphäre, ehrliche Gespräche und kleine positive Begegnungen bleiben oft länger hängen als große Werbeaktion
Wie entstehen neue Kontakte?
Neue Kontakte entstehen selten nur durch Flyer, Webseiten oder Social Media. Viel häufiger entstehen sie dort, wo Menschen unkompliziert mit einer Ortsgruppe in Berührung kommen. Das kann eine offene Wanderung sein, ein Infostand im Ort, eine gemeinsame Aktion oder einfach ein persönliches Gespräch. Wichtig ist dabei vor allem, sichtbar und ansprechbar zu sein. Viele Menschen kommen nicht gezielt mit dem Gedanken einen Verein zu suchen. Sondern sie stoßen eher zufällig auf eine Veranstaltung, hören von Bekannten davon oder sehen, dass irgendwo etwas stattfindet, bei dem man einfach dazukommen kann.
Deshalb helfen oft schon kleine, regelmäßige Kontaktpunkte: ein Aushang im Ort, eine offene Einladung, ein gut sichtbarer Treffpunkt oder Veranstaltungen, bei denen klar ist, dass neue Menschen willkommen sind.
Besonders gut funktionieren dabei oft niedrigschwellige Angebote. Also Dinge, bei denen Menschen ohne Vorbereitung, Vorwissen oder feste Verpflichtung teilnehmen können. Das können zum Beispiel sein:
- offene Feierabendspaziergänge
- gemeinsame Müllsammelaktionen
- kleine Naturführungen
- ein offener Stammtisch
- gemeinsames Kochen
- Lagerfeuerabende
- Mitmachaktionen bei Festen
- oder einfache Familienangebote
Oft geht es dabei weniger darum, sofort neue Mitglieder zu gewinnen, sondern erstmal darum, Begegnungen möglich zu machen.
Auch Kooperationen können neue Kontakte entstehen lassen. Manchmal reicht schon eine gemeinsame Aktion mit einem anderen Verein, einer Schule oder einer lokalen Initiative, damit Menschen die Ortsgruppe überhaupt erst kennenlernen. Neue Kontakte entstehen oft langsamer, als man denkt. Viele Menschen schauen erstmal nur vorbei, kommen später nochmal oder hören zunächst einfach zu. Gerade deshalb lohnt es sich, offen und sichtbar zu bleiben, auch wenn nicht sofort neue Mitglieder daraus entstehen.
